St.Marien Wallfahrtskirche Ziegelheim

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Festwoche


Kirchliche Festwoche in Ziegelheim

Ein Doppeljubiläum beging die St.Marien Kirche in Ziegelheim kürzlich. Zum einen konnte nach 9 Jahren wieder eine Turmbekrönung aufgesetzt werden. Zum anderen feierte das Kirchgebäude das 500jährige Jubiläum seiner Fertigstellung. Eingeleitet wurden die Festtage am Samstag, dem 27.10.2018, mit einem Konzert des ökumenischen Gospelchores Glauchau. Ca. 80 Gäste fanden den Weg in die Kirche. Tags darauf hielt Frau Architektin Scholz vor 100 Gästen einen spannenden Vortrag über die Baugeschichte der Kirche, von der sie nach vielen Jahren Baubegleitung längst selbst ein Teil ist. Erstmals konnten im Turmsaal der Knopfinhalt und eine kleine Baudokumentation besichtigt werden.
Am Mittwoch, dem Reformationstag, fand vor über 120 Gästen ein Festgottesdienst statt, der durch den Posaunenchor Waldenburg, Frau Becker an der Orgel sowie sängerischer Begleitung von der Orgelempore aus, musikalisch auf das feinste umrahmt wurde. Hier zeigte auch Pfarrer Becker selbst sein musikalisches Können, er begleitete die beiden Solistinnen beim Gesang. Im Anschluss wurde das Jubiläum bei einigen Getränken und Häppchen noch weiter gefeiert, viele Gespräche wurden geführt und die Ausstellung des alten Knopfinhaltes im Turmsaal noch einmal in Augenschein genommen.
Der Donnerstag, es war der 1.November, sah bereits 9.00 Uhr wieder über 80 Besucher in der Kirche zu einer Andacht versammelt, die dem Aufsetzen der Turmbekrönung gewidmet war. Letzte Protokolle und die aktuelle Tageszeitung wurden in die Kartuschen eingelegt, welche dann endgültig verschlossen wurden. Im Anschluss fuhren die Kartuschen, drei an der Zahl, per Aufzug in Richtung Turmspitze. Aufgrund technischer Verzögerungen beim Zusammenspiel von 4 Gewerken, die gleichzeitig arbeiten mußten – der Dachdecker ersetzte einen letzten defekten Ziegel, die Gürtlerfirma setzte die mit den Kartuschen befüllte Kugel und die Wetterfahne auf, die Gerüstbauer mußten begleitend Gerüstteile um- oder abbauen und der Elektriker schloss den Blitzschutz an – konnte das Ergebnis erst ab Mittag bestaunt werden. Noch am frühen Nachmittag fielen die obersten 3 Gerüstetagen, wodurch die neue Spitze nun erst richtig zur Geltung kommt. Nun seien noch einige Worte zu den 2 Jubiläen selbst gesagt: Am 3.Juli 2008 hatte ein Blitzeinschlag in den Kirchturm die Wetterfahne schwer beschädigt, sie drohte abzustürzen. Mittels schwerer Krantechnik wurde sie ein knappes Jahr später, am 29.6.2009 vom Turm heruntergeholt. Neun Jahre dauerte es, bis nun als Abschluss eines Turmsanierungsabschnittes eine neue Bekrönung den Turm wieder vervollständigt. Das zweite Jubiläum – die 500jährige Fertigstellung des Kirchenbaues – gründet auf wenige Nachrichten, welche die Jahrhunderte überdauerten. Das augenscheinlichste ist dabei der Schlußstein im Deckengewölbe des Chores, welcher die Zahl 1518 enthält. Ein zweiter Schlußstein am anderen Chor-Ende zeigt das Wappen der Erbauerin, einer geborenen Burggräfin von Rieneck – Anna von Schönburg. Anna war bereits im Jahr ihrer Hochzeit, 1480, in den Besitz Ziegelheims gekommen, als Teil ihrer Morgengabe. Bereits 1489 im Alter von 28 Jahren verwitwet, wurde ihr Ziegelheim auch als Teil ihres Witwensitzes zugewiesen. Anna regierte die Schönburgischen Lande als Regentin für ihre Söhne bis 1512 und starb 1525. In dieser Zeit versorgte sie viele schönburgische Kirchen mit Reliquien und stattete sie mit Altären aus. Anna wurde noch zu Lebzeiten mit dem Beinamen „Gratiosa" verehrt. In Ziegelheim, dass 45 Jahre ihr Privateigentum war, tobte sie sich bautechnisch richtig aus. Mindestens seit 1485/86 baute sie an ihrem Prestige-Objekt, der für Dorfverhältnisse riesigen St.Marien Wallfahrtskirche. Dies wiesen dendrochronologische Untersuchungen am Dachstuhl des Chores nach. Für das Dach-Holz des Kirchenschiffes konnte der Winter 1510/1511 bestimmt werden. Noch vor Ende dieses Jahres könnte auch das letzte Rätsel, das genaue Alter des Turmdachstuhles, gelüftet werden. Die aktuelle Baumaßnahme erlaubte das Entnehmen von Holzproben. Die Ziegelheimer Kirche gilt in unseren Breiten als die letzte katholisch gebaute und ausgestattete Kirche. Sie wurde als herzoglich-sächsisches (albertinisches) Lehen der Schönburger erst 1537 reformiert. In den schönburgischen Stammlanden geschah dies gar erst 1543. Aufgrund des langen Festhaltens am alten Glauben, wurden um 1527 die kirchlich zur Parochie Ziegelheim gehörenden kursächsisch-ernestinischen Dörfer Fuchshain (Ehrenhain), Nirkendorf, Frohnsdorf, Garbisdorf und Göpfersdorf abgetrennt.

Michael Etzold
Ziegelheimer Heimatforscher


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