St.Marien Wallfahrtskirche Ziegelheim

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Anna Gratiosa

Wer war Anna "Gratiosa"?

Ihr Titel lautet: Die Edle Frau, Frau Anna, verwitwete Frau von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg, geborene Gräfin von Rieneck. Sie war von 1489 bis 1512 Regentin über die Schönburgischen Herrschaften Glauchau und Waldenburg. Sie gilt als Patronin und Erbauerin der Ziegelheimer Kirche zwischen 1507 und 1518. Das Vorwerk und die Dorfschaft Ziegelheim wurden ihr 1480 zur Hochzeit zum Leibgedinge gegeben. Als Vorwerk der Burg zu Waldenburg wurde Ziegelheim ab 1489 Teil von Anna`s offiziell zugewiesenen Witwensitz, den sie aber wahrscheinlich nie bewohnte. Es darf angenommen werden, daß Anna bis zum Tode auf Schloß Vorder- oder Hinterglauchau bei ihren Söhnen wohnte. Nachweislich hat sie in Vertretung ihrer Söhne noch bis 1518 (nach Ende ihrer Regentschaft) Regierungsgeschäfte getätigt. Siehe dazu auch die Anmerkungen ihrer Tochter Margarethe von Gleichen von 1534 im unteren Textfeld dieser Seite.

Die Bilder zeigen links oben den östlichen Abschlußstein des  Ziegelheimer Kirchen-Chores, der die Jahreszahl 1518 trägt. Links unten ist der westliche Abschlußstein des Kirchen-Chores zu sehen. Er zeigt das Rieneck`sche Hauswappen der Anna von Schönburg. Das Bild rechts zeigt das Rieneck`sche Hauswappen im Torbereich des Schlosses Hinterglauchau. Es wurde von Ernst II. von Schönburg zum Andenken an seine Mutter Anna dort angebracht.

(Stand: Dezember 2015)

  • 1428 - Geburtsjahr des Grafen Philipp II. des Jüngeren von Rieneck - Vater der Anna.

  • 1435 - Geburtsjahr der Gräfin Anna von Wertheim, 2.Ehefrau des Grafen Philipp II. des Jüngeren von Rieneck.

  • 1445 - wahrscheinliches Geburtsjahr der Freifrau Margarethe von Eppstein-Königstein, Mutter der Anna.

  • 1460 - am Samstag, dem 7.Juni Vermählung zwischen Graf Philipp II. der Jüngere von Rieneck und Freifrau Margarethe von Eppstein-Königstein vermutlich anläßlich der jährlich stattfindenden Pfingst-Turniere und Feiern des Adels. Graf Philip II. war auf Drängen seines Bruders Graf Philipp I. der Ältere extra aus dem geistlichen Stand zurückgekehrt um zu heiraten und mit männlichen Erben das Geschlecht vor dem Aussterben zu bewahren. Sein Bruder hatte nur eine Tochter.

  • 1461 - Anna, Gräfin von Rieneck geboren.

  • 1463 - Geburtsjahr von Graf Reinhard von Rieneck, Bruder von Gräfin Anna. Kurz darauf verstirbt am 27.Oktober im Alter von etwa 18 Jahren beider Mutter Gräfin Margarethe, geborene von Eppstein-Königstein. Graf Philipp II. der Jüngere wird aus Dankbarkeit für seine Dienste vom Mainzer Erzbischof und Churfürsten Adolf II. von Nassau in das Amt des Vizedoms in Aschaffenburg eingesetzt. Dieses Amt bekleidet er bis 1482. In dieser Amtszeit hat Graf Philipp II. der Jüngere von Rieneck größtenteils in der Mainzer Nebenresidenz Asschaffenburg residiert.

  • 1465 - Vermählung von Witwer Graf Philipp II. von Rieneck mit Gräfin Anna von Wertheim.

  • 1479 - im Dezember Verlobung zwischen Freiherrn Ernst von Schönburg und Gräfin Anna von Rieneck.

  • 1480 - Vermählung zwischen Freiherrn (dem Edlen Herrn) Ernst von Schönburg, Herr zu Glauchau und Waldenburg und Gräfin Anna von Rieneck.

  • 1481 - Anna, Gräfin von Schauenburg-Holstein-Pinneberg, geborene Freifrau von Schönburg-Waldenburg, wird als erstes Kind und erste Tochter des Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Gattin Anna, geborene Gräfin von Rieneck, geboren. In offiziellen sächsischen Texten wird 1479 als Geburtsjahr genannt. Dies ist aber unmöglich, da sich die Eltern vor der verabredeten Verlobung nicht kannten und der offizielle Beischlaf erst 1480 nach der Vermählung gehalten wurde, als Anna, geb. von Rieneck in den Schönburgischen Landen eintraf.

  • 1482 - Freiherr Wolf von Schönburg-Waldenburg wird als 1.Sohn des Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Gattin Anna geboren.

  • 1484 - Elisabeth von Schlik, Gräfin von Bassano und Weisskirchen, Burggräfin von Eger, geborene Freifrau von Schönburg-Waldenburg wird als 2.Tochter des Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Gattin Anna geboren.

  • 1488 - Freiherr Ernst II. von Schönburg-Glauchau wird als 2.Sohn des Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Gattin Anna geboren.

  • 1489 - am 26. oder 27.Januar stirbt Freiherr Ernst I. von Schönburg nach einer Kriegsverletzung in Flandern und wird in Antwerpen beigesetzt. Witwe Anna, Freifrau von Schönburg wird als Regentin und Vormund ihrer Söhne Wolf und Ernst II. sowie ihrer 3 Töchter eingesetzt. Im selben Jahr wird als jüngstes Kind Margarethe, Gräfin von Gleichen-Tonna, geborene Freifrau von Schönburg-Waldenburg, als 3.Tochter des seeligen Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Witwe Anna, Freifrau von Schönburg, geboren.

  • 1512 - Witwe Anna, Freifrau von Schönburg legt auf eigenen Wunsch die Regentschaft nieder.

  • 1522 - Elisabeth von Schlik, Gräfin von Bassano und Weisskirchen, Burggräfin von Eger, geborene Freifrau von Schönburg-Waldenburg , 2.Tochter des Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner Gattin Anna, stirbt.

  • 1525 - am 13.Dezember stirbt Witwe Anna, Freifrau von Schönburg, geborene Gräfin von Rieneck (nach schönburgischen Angaben im Alter von 67 Jahren, wohl eher aber mit 65 Jahren – lt. Rieneck`schen Angaben des Geburtsjahres).

  • 1529 - Freiherr Wolf I. von Schönburg-Waldenburg, ältester Sohn des seeligen Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner seeligen Gattin Anna, stirbt im Kloster Chemnitz.

  • 1533 - Anna, Gräfin von Schauenburg-Holstein-Pinneberg, geborene Freifrau von Schönburg, Tochter des seeligen Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner seeligen Gattin Anna, stirbt.

  • 1534 - am 13./14.September stirbt Freiherr Ernst II. von Schönburg-Glauchau. Laut einem Schreiben in den Schönb. Urkundbüchern vom 14.September soll „ Vor die Seele des Edlen und wohlgebornen Herren, Herrn Ernst (II.) von Schönburg, vor einen Herren Ernst (I.), der sein Vater gewesen ist und vor eine Frau Anna, geborene Gräfin von Rieneck, die seine Mutter gewesen ist. Vor einen Herren Wolffen von Schönburg, der sein Bruder gewesen ist. Vor eine Frau Anna von Schönburg und Elisabeth Schlick, die seine Schwestern gewesen sind. Vor einen Herren Friederichen von Schönburg und Frau Elisabeth, die da Großeltern des Herren Ernsten von Schönburg gewesen sind. Vor Frau Anastasia von Schönburg, die Äbtissin dieses Klosters Geringswalde gewesen ist. Vor einen Herren Veyten, Herren Dietrich von Schönburg, vor Frau Katharina von Schwarzburg, Frau Margareta Birka von Duba (Byrgkin), alle Geschwister Herren Friedrichs von Schönburg. Vor zweene Herren, haben beide Herman geheißen, sind gewesen die ersten Stifter dieses Gotteshauses Geringswalde. Vor Herren Vycken von Schönburg und vor alle, die aus dem Geschlecht verschieden sind. –  im Kloster Geringswalde gebetet werden." Am 11./12.Oktober finden die Feierlichkeiten zum Begängniß (Trauerfeierlichkeiten, Bestattung) Ernst II. von Schönburg in Glauchau statt. Am 9.Dezember zeigt Ernst II. Schwester Margarethe, Gräfin von Gleichen bei Herzog Georg von Sachsen im Rahmen eines Erbstreites an: „daß meine Mutter (Anna von Schönburg, geb. von Rieneck, gest. 1525) in meines Vaters beider selig nachgelassenen Gütern und Erbschaft mit ihren Kindern unertheilt gesessen und ihr Leben lang den Gebrauch und Beseß daran gehabt."

  • 1535 - Margarethe, Gräfin von Gleichen-Tonna, geborne Freifrau von Schönburg-Waldenburg stirbt als jüngstes und zugleich letztes Kind des seeligen Freiherrn Ernst I. von Schönburg und seiner seeligen Gattin Anna.


(Stand: Dezember 2015)


Unten gezeigtes Allianzwappen ist das Zeichen der Regentschaft der Anna von Schönburg. Es zeigt links das Schönburgische und rechts das Rieneck`sche Einzelwappen. Es wurde bis zum Ende der Regentschaft 1512 als offizielles Siegel benutzt. Vorher und auch danach fand das Schönburgische Wappen allein Verwendung. Allerdings änderte jeder Regent sein Wappen etwas und verpasste ihm sozusagen seinen eigenen Stempel. Dieser Tatsache verdanken wir heute die guten Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen den Regenten. Falsch ist die Bezeichnung "Gräfin von Schönburg". Dieses Prädikat bekamen die Schönburger erst 1640 verliehen. Bisdahin waren sie Reichsfreiherren von Schönburg, auf französisch auch "Baron" genannt.

Anna „Gratiosa" von Schönburg, Herrin zu Glauchau und Waldenburg, geborene Burggräfin von Rieneck
Streitschrift wider die Annahme einer Grabstätte in der Waldenburger St.Bartholomäus Kirche

Als langjährige Regentin (bis 1512) in den Schönburger Herrschaften bekanntgeworden, junge Witwe ihres 1489 in Flandern gefallenen Gemahls Ernst (I.) von Schönburg und Vormund ihrer Kinder Anna, Elisabeth, Wolf (I.), Ernst (II.) und Margarethe, gilt sie als eine wichtige Ahnfrau des Glauchauer und Waldenburger Gesamthauses der Schönburger. In ihrer Kindheit in Lohr und Aschaffenburg wurde sie streng katholisch erzogen, der Wallfahrtsort Mariabuchen befand sich in Heimatnähe, der Vater stand in Diensten des Mainzer Erzbischofs und ihr Halbbruder Graf Thomas von Rieneck ging als Domgraf von Köln in die Geschichte ein. Anna wurde mir erst durch die Erforschung der Ziegelheimer St.Marien Wallfahrtskirche bekannt. Ihr Wappen ziert gegenüber dem Abschlußstein von 1518 das Deckengewölbe des Kirchenschiffes. 1480 wurden Dorfschaft und Vorwerk Ziegelheim der jungen Anna als Leibgedinge übertragen. Bereits 1479 hatten die Väter von Ernst I. und Anna die Ehe ausgehandelt. Für Ziegelheim begann eine selten stabile Zeit. Bis zu ihrem Tod 1525 verblieb Ziegelheim persönlicher Besitz von Anna – ganze 45 Jahre! Diese Zeit nutzte man zum Kirchenbau, welcher wohl schon in den 1480er Jahren begonnen haben muß, was Analysen von Deckenbalken-Holz in den 1990er Jahren ergaben. Offiziell ist die Bauzeit von 1507 bis 1518 überliefert. Einzigartig dabei ist, dass nur das Rieneck`sche Wappen eingemeißelt wurde, kein Schönburger Wappen.
Die große Frage stellt sich nun nach dem Verbleib von Anna`s Gebeinen nach ihrem Tod 1525. Viele Jahre war ich auf Spurensuche, besuchte Orte und durchforstete alle auffindbaren schriftlichen Quellen. Heute kann ich sagen – eine abschließende Lösung des Rätsels ist nicht möglich. Das Grab kann nicht mehr gefunden werden. Was es aber gibt, sind Indizien. Über diese können wir uns Anna`s Gebeinen zumindest nähern, die Suche auf wenige mögliche Orte eingrenzen.
Im Folgenden führe ich die, meiner Meinung nach, 4 einzig möglichen Orte auf und nenne Argumente, welche dafür oder dagegen sprechen.

Ranking Platz 4: Hartenstein
Was spricht dafür: Die Eheverabredung 1478, als auch der Ehevertrag zur Verlobung 1479 enthielten sowohl das Vorwerk Ziegelheim als auch die Hälfte vom Vorwerk Hartenstein. Ausdrücklich zur Behausung wurde Anna das halbe Schloß Hartenstein übertragen: „..das halbe Schloß Hartenstein, schlecht an Behausung, dazu so viel Brennholz und Bauholz, als sie es zu ihrer Nothdurft für ihre Behausung und Vorwerke bedürfen würde.." Vorwerk Ziegelheim, das halbe Vorwerk Hartenstein und das halbe Schloß Hartenstein werden als ihr Leibgut bezeichnet und sie wird damit 1479 durch Churfürst Ernst und Herzog Albrecht zu Sachsen beliehen (Lehensgut).
Was spricht dagegen: Zwischen ca. 1400 und 1530 sind keine Bautätigkeiten am Schloß Hartenstein überliefert. Es gibt keine überlieferten Informationen, in denen besondere Beziehungen zwischen Anna und Schloß Hartenstein genannt werden. Da die Grafschaft Hartenstein zudem als Druckmittel der Schönburger, ihren vermeintlich erworbenen Grafentitel irgendwann durchzusetzen (Standeserhöhung erst 1640), viel zu bedeutend war, scheint Hartenstein als bloßer Witwensitz keine Rolle gespielt zu haben. Damit scheitet es auch als Begräbnisstätte aus.

Ranking Platz 3: Waldenburg
Was spricht dafür: Eine einzelne, leere Gruft in Altarnähe der St.Bartholomäuskirche – die einzige in Altarnähe, läßt manchen vermuten, es könnte sich um Anna`s Grab handeln, da Waldenburg ihr Witwensitz gewesen sei. Der Hugo-Epitaph in der Kirche zeigt unter anderem auch die Wappen derer von Rieneck und derer von Eppstein. Das zeigt, das Hugo I. die Verwandtschaft zu seiner großmütterlichen Seite (Anna, geb. von Rieneck und deren Mutter Margarethe von Eppstein-Königstein) wichtig war. Die Grafen von Rieneck brachten als „Schwanenritter" einen sagenumwobenen Mythos mit in die Familie – angeblich wären sie Nachfahren Lohengrins und damit von edelstem Geblüt und uraltem Stammbaum.
Was spricht dagegen: Anna lebte fast ihr gesamtes Leben in Glauchau, sie leitete auch die Regierungsgeschäfte von dort. Waldenburg war zu ihren Lebzeiten keine Residenz, höchstens Nebenresidenz in Notzeiten. Waldenburg war die zweitwichtigste Besitzung und als solches Stammland der Schönburger (reichsunmittelbar, später böhmisches Lehen) und kein sächsisches Lehen. Damit war Waldenburg viel zu wichtig, um über viele Jahre als Anna`s Witwensitz zu dienen (gilt genauso für die Hauptresidenz Glauchau, welche deshalb keine Rolle bei meinen Erwägungen spielt). Es gibt auch keine Informationen, die Waldenburg als Witwensitz Anna`s benennen. Bekannt ist eine einzige Quelle, die berichtet, dass Anna 1512 die Regentschaft gegen den Willen ihrer Söhne niedergelegt hat „und sich zu ihrem Wittumb gen Waldenburg begeben" hat. Meiner Meinung nach bedeutet „gen" nichts anderes als „Richtung". Und in Richtung Waldenburg / bei Waldenburg liegt – das Vorwerk Ziegelheim. Im Jahre 1519 brannte das Schloß Waldenburg ab und war mindestens bis 1529 unbewohnbar. In diesem Jahr soll Ernst II. begonnen haben, das Schloß wieder aufzubauen. Erst Hugo I., Anna`s Enkel und Sohn Ernst II. war der erste „Waldenburger". Er vollendete das Schloß Waldenburg (oder baute um) zwischen 1560 und 1566 und sah sich als Begründer einer neuen Linie. Damit hielt er es für wichtig, auch eine neue Grablege seiner Dynastie in der Waldenburger Kirche zu errichten. Es ist ausgeschlossen, dass er Begräbnisse zuließ, die vor seinem eigenen stattfinden sollten. Überliefert ist auch sein Engagement in Sachen Schule im ehemal. Kloster Gehringswalde, der alten Familien-Grablege aller Schönburger bis zur Reformation. Es ist schwer vorstellbar, dass Hugo Umbettungen aus Gehringswalde veranlasst haben soll. Für mich scheidet Waldenburg sowohl als Wohnort als auch als Bestattungsort der Anna aus.

Ranking Platz 2: Ziegelheim
Was spricht dafür: Bereits 1435 erzählt eine Urkunde vom Status und der Bedeutung des Ziegelheimer Vorwerks als Witwensitz und Leibgedinge. Zu dieser Zeit ist der Waldenburger Besitz noch in den Händen derer von Waldenburg (ursprünglich: von Wartha), Ziegelheim bereits sächsisches Lehen in Händen der Schönburger. Man erkennt jedoch die verwandtschaftlichen Verflechtungen der beiden Häuser. Hier nun der Inhalt der Urkunde vom 3.Juni 1435 :  – es bekennt Sophie von Schönburg (die Urgroßmutter Ernst I. von Schönburg), Frau von Glauchaw, daß Herr Heinrich von Waldenburg, Herr zu Wolkenstein, ihr lieber Oheim und die ehrbaren und gestrengen Jost von Koufungen, Hilbrand Trueczler ihrer Söhne Hauptmann, Gottschalk von Ulrsdorf, Hans von Maltitz und Cunz von der Mosel auf der andern Seite zwischen ihr und ihren Söhnen Veit, Friedrich und Dietrich von Schönburg, Herren zu Gluchow, am Sonntag Lätare (27.März) in der Stadt Kemnitz bethädingt hätten, von ihres Leibgedings wegen und sie dann gütlich entsetzt und entschieden hätten, also, daß ihre Söhne sie sollten lassen leihen und bedingen von den Herzögen von Sachsen mit diesen hernach geschriebenen Dörfern Czigelheym (Ziegelheim), Nider-Arnsdorf (Niederarnsdorf) und Unter-Uwersdorf / Ullersdorf (Uhlmannsdorf) und nemlich mit dem Vorwerk, das zu Ziegelheim gelegen ist, mit allen Aeckern, Wiesen, Hölzern, mit 3 Teichen, Geldzinsen, Getreidezinsen, Hühnerzinsen, Schulden und allen andern Gerechtigkeiten, wie die in denselben Dörfern gelegen sind, so daß sie die haben sollte zu ihrem Leibe, dieweil sie lebte mit allen Nutzen, Würden, Freiheiten und allen Gerichten, Rechten und Hofdiensten, nichts ausgenommen, sondern in aller Maß als ihr lieber Herr Friedrich von Schönburg, ihr Gemahl seeligen Gedächtnisses und seine Eltern das auf seine Söhne und Erben geerbt und gebracht hätten und das sie denn bis daher besessen hätten. Auch ward bedingt, daß ihre Söhne den Hof Ziegelheim sollten lassen bauen und ein Haus und eine Stube darauf setzen und auch Kammern machen lassen als das möglich und gewöhnlich ist. Wenn sie darauf ziehen wollte, sollen ihre Söhne das über Winter und Sommer säen. Auch sollten sie ihr in dem Vorwerk Rindvieh, Schweine, Gänse, Enten, Hühner so viel, als das zu den Zeiten darin ist, geben. Auch sollten sie ihr Brennholz und Bauholz geben, so viel sie das bedarf zu ihrer Nothdurft, wie sie das am nächsten haben. Auch ist bedingt: dieweil sie bei ihren Söhnen in ihrer Behausung sein will und sie auch ihre Söhne bei sich haben wollen, so sollen ihr ihre Söhne jährlich reichen und geben 14 neue Schock Groschen Freiberger Münze, die sie ihr bezahlen sollten halb auf St.Michaelis, halb auf St.Walpurgis und sollten ihr dazu halten 2 Jungfrauen, 1 Kämmerer, 1 Magd, die sie aber selbst besorgen soll mit Kleidern und mit Schuh. Auch sollen sie ihr halten 100 Schafe zu Waldenburg bei ihren Schafen und was sie daran genießen mag , sollen sie ihr gönnen. Es wurde auch bedingt: dieweil sie bei ihren Söhnen ist, so sollen sie das genannte Gut in allen Maaßen genießen, als sie vorher gethan haben und sie soll noch will sie darin nicht enthalten. Ob sie denn aufzöge vor den „Nawen" (der Ernte?), so sollten sie ihr ihre Söhne Korn geben zu ihrer „Brotung", so viel sie dessen bedurfte. Sie siegelte und Herr Heinrich von Waldenburg, Herr zu Wolkenstein, ihr lieber Oheim. Ihr Siegel ist gespalten, rechts das Schönburgische, links das burggräflich Leißnigsche.
Nun scheint es gerade gepasst zu haben, das zu Zeit der Verabredung der Ehe zwischen Anna und Ernst I. die Alte Witwe Sophie von Schönburg verstorben war und der Witwensitz Vorwerk Ziegelheim frei war. Auch in dieser Übertragung an Anna findet nirgends Waldenburg eine Erwähnung, nur der spätere Commun-Verband Ziegelheim-Niederarnsdorf-Uhlmannsdorf. 45 Jahre gehörte Ziegelheim der Anna persönlich. Zusätzlich war sie Patronin und Erbauerin der steinernen Wallfahrtskirche St.Marien, welche eine hölzerne kleine Wallfahrtskirche ersetzte. Anna setzte sich hier mit ihrem Wappen und den gestifteten Reliquien, wahrscheinlich auch der Kirchenausstattung ein Denkmal. Auf ihre Veranlassung kehrte wohl auch Peter Breuer in unsere Region zurück. Er hatte das meisterhafte Schnitzen von Altären bei Tilmann Riemenschneider in Würzburg gelernt – in der alten Heimat Annas.
Es gab in Ziegelheim also sowohl die Wohnmöglichkeit als auch eine eigene gestiftete Kirche von und für Anna.
Was spricht dagegen: Anna blieb Kosmopolit. Bis an ihr Lebensende mischte sie sich (mit Wohlwollen ihrer Söhne) aktiv in die Politik ein und scheint auch (zumindest in Vertretung ihrer Söhne) aktiv die Patronatsrechte in den schönburgischen Gebieten ausgeübt zu haben. Auch nach ihrem Regentschaftsabschied 1512 war sie bis mindestens 1518 als Stifterin unterwegs, versorgte Reliquien, Altäre und auch Glocken. Sie scheint bis zum Lebensende in Glauchau gewohnt zu haben und soll dort auch gestorben sein. Ihr Sohn Ernst II. versah ihr zu Ehren das Glauchauer Schloß mit ihrem (rieneckschen) Wappen, einige Altäre aus seiner Stiftungszeit sind neben dem schönburgischen auch mit dem rieneckschen Wappen versehen. Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, das genaue Angaben über den Ziegelheimer Kirchenbau vorliegen, dass auch Pfarrer aus der Reformationszeit alle namentlich bekannt sind, auch die letzten katholischen. Wenn sich diese Informationen erhalten haben, ist es undenkbar, das die Grablege der Stifterin vergessen worden ist. Für die Bedeutung einer Anna „Gratiosa" wäre Ziegelheim meiner Meinung nach zu weit abseits. Die Wallfahrt hier konnte nicht auf Anna übertragen werden, weil bereits die Vorgängerkirche teil einer Pilgerroute war und das Ziegelheimer Heiligtum die Marienstatue war. So vermessen hätte keine gläubige Anna planen können. Ich denke, sie nutzte die Kirche selbst aktiv zum wallfahren und beten. Die Bauweise ähnelt der in ihrer alten Heimat am Main nämlich sehr. Für mich stellt Ziegelheim zumindest zeitweise einen Wohnort, ja ich würde sagen „Kurort" für Anna dar. Als Grablege kommt Ziegelheim wohl nicht in Frage.

Ranking Platz 1: Geringswalde
Was spricht dafür: seit 1233 war Kloster Geringswalde die Familiengrablege aller Schönburger. Lediglich einzelne, wie z.B. Ernst I. von Schönburg fanden den Weg aus der Ferne nicht zurück. Ernsts Überführung aus Flandern war zu jener Zeit nicht machbar – obwohl sein testamentarischer Wunsch die Beisetzung bei den Ahnen in Geringswalde war. Die Besonderheit des Klosters ist tatsächlich seine Funktion – es wurde nicht in kirchlichem Auftrag gebaut und diente auch nicht der Missionierung. Nein, es wurde von den Schönburgern ausschließlich als zentrale Grablege aller Familienangehörigen gestiftet, deren Einflußbereich sich zu dieser Zeit auf die Rochlitzer Pflege konzentrierte. 300 Jahre beteten die Nonnen für das Seelenheil der Schönburger und kümmerten sich um die Grabstätten. Dazu war das Kloster reich mit Ländereien und Abgaben beschenkt worden. Eine solche Einrichtung diente auch der Repräsentation, der Darstellung eigener Macht und Unabhängigkeit – gerade gegenüber Sachsen. Nach dem Tode Ernst II. von Schönburg 1534 wurden die Schönburger Lande unter seinen 3 Söhnen geteilt (Erbvergleiche 1553 und 1556). Einzig Geringswalde wurde gemeinschaftlich weiterverwaltet. Erst 1538 fand in den herzoglich-sächsischen Gebieten und damit in den schönburgischen Lehensherrschaften die Reformation Einzug (in den schönburgischen Stammlanden erst 1542). Die letzte Äbtissin des Klosters Geringswalde schließt in ihrer Funktion noch 1551 und 1552 Verträge und wird 1554 im Kloster beerdigt. Einige Nonnen haben noch lange nach Einführung der Reformation im Kloster gelebt (nachweisl. bei einer Visitation 1564). Offiziell gilt das Kloster spätestens seit 1542 als aufgehoben. Da es aber in den Schönburger Besitz zurückfällt, ist es nur logisch, dass diese eine schützende Hand über ihre Familiengrablege halten. Um die Bedeutung gegenüber Sachsen zu erhalten oder zu heben, gründet man 1567 eine Landesschule (eine Art Miniatur-Fürstenschule), die aber 1569 von Sachsen gewaltsam geschlossen wird – die Flacianische Auslegung des Glaubens war Sachsen ein Dorn im Auge. Damit beginnt der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Das Kloster wird in ein Rittergut umgebaut und wird nach Verhandlungen, welche bereits 1587/88 beginnen, schließlich 1590 an Churfürst Christian I. von Sachsen verkauft. Bis zu diesem Zeitpunkt kann man davon ausgehen, dass sich um die Familien-Grablege gekümmert wurde. Für mich bedeutet dies, das Anna als katholische Schönburgerin nach ihrem Tod 1525 von Glauchau nach Geringswalde überführt wurde, wie alle vor ihr auch. Ernst II. und Wolf (im Kloster Chemnitz 1529 gestorben) wurden in der Glauchauer Pfarrkirche beigesetzt als nachweislich erste hiesige Schönburger. Der evangelische Glaube verbat das Lesen von Seelenmessen und Klöster waren offiziell säkularisiert. Interessant ist jedoch, daß anlässlich des Todes von Ernst II. 1534 im Kloster Geringswalde Messen gelesen werden sollten: „…Vor die Seele des Edlen und wohlgebornen Herren, Herrn Ernst (II.) von Schönburg, vor einen Herren Ernst (I.), der sein Vater gewesen ist und vor eine Frau Anna, geborene Gräfin von Rieneck, die seine Mutter gewesen ist. Vor einen Herren Wolffen von Schönburg, der sein Bruder gewesen ist. Vor eine Frau Anna von Schönburg und Elisabeth Schlick, die seine Schwestern gewesen sind. Vor einen Herrn Friederichen von Schönburg und Frau Elisabeth, die da Großeltern des Herren Ernsten von Schönburg gewesen sind. Vor Frau Anastasia von Schönburg, die Äbtissin dieses Klosters Geringswalde gewesen ist. Vor einen Herren Veyten, Herren Dietrich von Schönburg, vor Frau Katharina von Schwarzburg, Frau Margareta Birka von Duba (Byrgkin), alle Geschwister Herren Friedrichs von Schönburg. Vor zweene Herren, haben beide Herman geheißen, sind gewesen die ersten Stifter dieses Gotteshauses Geringswalde. Vor Herren Vycken von Schönburg und vor alle, die aus dem Geschlecht verschieden sind. – im Kloster Geringswalde gebetet werden." (Urkunde vom September 1534)
Was spricht dagegen: Es sind keine Nachrichten über die Beisetzung von Anna in Geringswalde überliefert.
Aber: Geringswalde wurde 1547 und im 30jährigen Krieg mehrfach zerstört, die Peste rottete den Ort mehrfach fast aus. So geriet die Grablege langsam in Vergessenheit. Erst um 1737 fand man bei Ausgrabungen auf dem ehemal. Klostergelände Kellerreste und viele Stücke von Grabplatten. 6 konnten abgezeichnet werden, weil sie fast komplett waren. Die meisten waren aber nur noch Trümmerteile, viele waren als Mauersteine verarbeitet worden. Es kann also nichts ausgeschlossen werden. Für mich ist Kloster Geringswalde die Nummer 1 des wahrscheinlichsten Grabstandortes.


Michael Etzold, Dezember 2017

Quellennachweis:
„Schönburgische Urkundsbücher"
„Kirchliche Zustände im Gebiet der Schönburgischen Receßherrschaften bis zur Einführung der Reformation am 18.Oktober 1542" – 1892
„Die Schönburger – Wirtschaft / Politik / Kultur" – 1990/91
„Schönburgischer Hauskalender" – 1941
„Chronik der Stadt Glauchau" – 1931
„Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadt Geringswalde" – 1933
„Die Schwanenritter"
„Liebesjagd – Herbert Bald" – 2011
„Privatarchiv Etzold"
Wallfahrtskirche St.Marien Ziegelheim
St.Bartholomäuskirche Waldenburg
Schloß Hinterglauchau
Stadt Geringswalde
Schloßmuseum Stadt Lohr/Main
Burg Rieneck
Burgruine Eppstein
Wallfahrtskirche Mariabuchen


In Anna`s Heimatschloß in Lohr am Main fand am 7.Juni 1460 die Vermählung ihrer Eltern statt. Das Wandgemälde im Schloß zeigt noch heute die "Liebesheirat" zwischen Graf Philipp II. (der Jüngere) von Rieneck und Freifrau Margarete von Eppstein-Königstein. Der junge Graf führt seine Angebetete heim. Das Bild rechts zeigt das Allianzwappen Rieneck-Eppstein. Anna "gratiosa" erblickte dort 1461 das Licht der Welt. Bereits 1463 endete die "Liebes-Allianz" tragisch. Kurz nach der Geburt des Stammhalters Graf Reinhard verstarb Margarete. Der Witwer vermählte sich 1465 mit Gräfin Anna von Wertheim.

(Stand: Dezember 2017)

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