St.Marien Wallfahrtskirche Ziegelheim

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Altar

Historisches

Barocker Hochaltar der St.Marien-Wallfahrtskirche zu Ziegelheim, erbaut 1670

Für den hölzernen, bis an das Gewölbe reichenden Altaraufsatz wird Hans Petzold in Altenburg als Verfertiger bezeichnet. Es ist aber zur Seite des Altars, ganz hoch und darum kaum erkennbar angeschrieben, daß ein Günther aus Ehrenhain ihn 1670 angefertigt habe. Vielleicht war Petzold der Meister und Günther der Geselle. Vielleicht hat der eine den Aufsatz gefertigt, der andere ihn aufgestellt? An dem Altaraufsatz ist die ganze heilige Geschichte dargestellt. Zunächst über dem eigentlichen Altar ist ein Abendmahlsbild, dann folgt als erstes Mittelstück die Geburt Christi, flankiert durch zwei Seitenflügel, die Darstellung Jesu im Tempel und seine Anbetung durch die Waisen. Außerdem stehen wie zwei Hüter zu den Seiten fast in Lebensgröße Moses mit dem Stabe, mit dem er Wasser aus dem Felsen geschlagen hat und Aaron mit Gesetzbuch und Opferlamm. Das zweite Mittelstück ist Christus der Auferstandene mit dem Kreuz, zu seinen Füßen die erschrockenen Kriegsknechte. Abermals zwei Seitenflügel, Geißelung und Kreuzigung. Aber noch tiefer als das zweite Mittelstück sieht man zu den Seiten zwei Propheten, die auf Christum hinweisen und neben ihnen je einen Engel, mit Bändern und Inschrift darauf, der eine mit dem Spruch: "Er ist um unserer Missetat willen verwundet", der andere: "Lasset uns aufsehen auf Jesum." Der Abschluß nach oben folgt durch die dem himmelfahrenden Herrn nachschauenden Jünger und Jüngerinnen. Diese erhalten durch zwei Engel die Auskunft: "Dieser Jesus, welcher ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren." Der Himmelfahrende selbst aber ist in realistischer Weise so dargestellt, daß nur der Unterkörper sichtbar ist und man annehmen soll, daß der Oberkörper schon in den Wolken entschwunden ist - diese Darstellung scheint einmalig auf der Welt zu sein. Der Altar scheint 1903/04 farbtechnisch aufgefrischt worden zu sein. Die Kirchgallerie berichtet 1909, daß "der Altar durch Bunthaltung bei der letzten Erneuerung wesentlich gewonnen habe."

(Stand: Dezember 2015)

Das Bild links ist die älteste Fotografie des Altars. Sie stammt aus dem Jahre 1903. Ein Leipziger Fotoatelier bekam den Auftrag, vor Beginn der Umbauarbeiten an der Kirche 1903 bis 1904, den alten Zustand auf Fotoplatten zu sicheren. Einige Abzüge sind erhalten geblieben, darunter dieses Altarbild. Interessante Zusatzdetails sind zu sehen. Die Fenster sind noch schmucklose Einfachverglasungen. Ein Gegenbeispiel zeigt das Bild oben. Man sieht die farbigen Bemalungen. Ein weiteres Detail ist links die alte, nicht mehr vorhandene Empore, welche bis zum Abriß 1903 der Sakristei vorgelagert war.

 
 
 

Detail-Bilder des Flügelaltars oben:
© Bildarchiv Foto Marburg / Foto: Gaasch, Uwe

 


Was verbindet den Flügelaltar der Kirche zu Schlunzig mit Ziegelheim`s Kirche?

Der unten in geschlossener und offener Variante gezeigte geschnitzte Flügelaltar stellt eine Besonderheit dar und ist in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ziegelheimer Kirche zu sehen. Im geöffneten Zustand wird die Gottesmutter von den Heiligen Margarethe, Barbara, Katharina und Magdalena flankiert. Die Tafelbilder sind im Originalzustand erhalten und zeigen die Heiligen Laurentius, Petrus, Sebastian und Bartholomäus. Die Krippe in der Predalla ist leider verloren gegangen und wurde seinerzeit durch eine derbe bäuerliche Schnitzerei ersetzt. Worin liegen nun die Besonderheiten und die Verbindung zur Ziegelheimer Kirche? Die erste Besonderheit ist das noch vorhandene spätgotische Gesprenge (der spitze Aufsatz) mit dem Ritter Georg. In der Reformationszeit wurden im Raum Glauchau unzählige Flügelaltäre aus den Kirchen entfernt und vernichtet, wie andere, an papistische Kirchen erinnernde Inventarien auch. Bei den wenigen Flügelaltären, die diese Zeit überstanden, sind die Gesprenge fast immer verloren gegangen. Die zweite Besonderheit ist die Symbolik auf eben diesem Gesprenge. Sie zeigt neben dem Schönburgischen auch das Wappen derer von Rieneck. Im Gegensatz zur Schlunziger Angabe der Enstehungszeit des Altars noch zu Lebzeiten Ernst I.von Schönburg (gefallen 1489 in Flandern und nicht erst 1498 wie in Schlunzig genannt), datiere ich den Altar auf die Zeit zwischen 1512 und 1534. Warum? Es ist bekannt, das des Ernst I. von Schönburg`s Witwe, Anna "Gratiosa" von Schönburg, geborene Gräfin von Rieneck, mit Ende ihrer Regentschaft als Vormund für ihre beiden Söhne im Jahre 1512 eine rege Stiftungstätigkeit begann. Viele Schönburgische Kirchen und Kapellen wurden mit neuen Inventarien, Altären und auch Reliquien ausgestattet, welche Anna aus ihrer Privatschatulle finanzierte. Allein aus dem Jahre 1523 ist überliefert, daß Anna von Schönburg dem Hauptaltar St.Johannis Baptistae in Lößnitz ein Kästchen mit 39 verschiedenen Reliquien schenkte. Es ist anzunehmen, daß fast alle Reliquien aus dem ostfränkischen Raum, dem Gebiet der Erzbistümer Mainz, Trier und Köln stammen. Dort waren sie Mitte des 8.Jahrhunderts im Rahmen der Christianisierung hingelangt. Wie auch in der Ziegelheimer Kirche, versah Anna ihre Stiftungen mit ihrem Rieneck`schen Hauswappen (während ihrer Regentschaft bis 1512 zusätzlich mit dem Schönburgischen). Anna von Schönburg starb 1525. Aus Dankbarkeit und Stolz versah ihr Sohn Ernst II. von Schönburg bis zu seinem Tode 1534 noch weitere kirchliche Stiftungen aber auch Gebäude sowohl mit seinem Schönburgischen als auch mit dem mütterlichen Rieneck`schen Wappen - Siehe Foto ganz unten links. Es zeigt das Rieneck`sche Wappen als Teil des Türbogens am Schloß Hinterglauchau. Dieses ließ Ernst II. im Jahre 1527 "vom Grunde her reparieren". Anna von Schönburg erhielt Ziegelheim bereits zu ihrer Verlobung zugesprochen als Leibgedinge. Ziegelheim war Ihrem künftigen Witwensitz Waldenburg als Vorwerk zugeordnet. Das Leibgedinge Vorwerk Ziegelheim fiel dabei aus der Schönburgischen Gerichtsbarkeit und aus den Schönburgischen Zunft- und Bannmeilen heraus und hatte einen Sonderstatus. Anna von Schönburg konnte also seit ihrer Vermählung 1480 bis zu ihrem Tode 1525 über Ziegelheim als Privatbesitz verfügen und sich "Bautechnisch austoben". So begann unter ihrer Herrschaft 1507 der Kirchturmbau, der 1515 fertigestellt wurde. Kirchenschiff und Chor wurden 1518 fertiggestellt. Das Besondere ist das im Bau fehlende Schönburgische Wappen. Die Ziegelheimer Kirche wurde nur mit dem noch heute erhaltenen Wappen derer von Rieneck im Kreuzrippengewölbe versehen. Überliefert ist, das der 1633 vernichtete Altar ein geschnitzter Flügelaltar war. In einem Kirchengutachten vom 17.11.1896 heißt es: "Der ursprüngliche Altar steht nicht mehr in der Kirche, Reste desselben befinden sich auf dem Dachboden, sind aber unbrauchbar." Im Werk "Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen" von 1890 heißt es die Ziegelheimer Kirche betreffend: "Auf dem Kirchboden (liegen) kümmerliche Reste eines Flügel-Altarwerkes, darunter die Figuren der Maria, des heiligen Albanus und eines Heiligen mit Nagel im Kopfe (Pantaleon)." Man kann davon ausgehen, daß dieser alte Flügelaltar im Grundaufbau dem der Schlunziger Kirche entsprach aber andere Heilige zeigte. Heute geht man davon aus, das die spätgotischen, geschnitzten Flügelaltäre der Schule des Peter Breuer aus Zwickau enstammen. Er hatte, aus der Würzburger Schule Tilman Riemenschneiders kommend, in Zwickau 1502 eine eigene Werkstatt gegründet und dort bis 1521 Flügelaltäre und Figuren für unsere Region hergestellt. Drei interessante Punkte sind in diesem Zusammenhang erwähnendswert. Zum einen kam Peter Breuer just in der Regentschaftszeit der Anna von Schönburg in unsere Gegend. Zweitens kam er aus Würzburg und diese Stadt liegt nur wenige Kilometer von Lohr am Main, der Heimatstadt der Anna von Schönburg, geborene von Rieneck. Drittens schließlich, sind als Heiligenfiguren des alten Ziegelheimer Altars Maria, der Heilige Albanus und der Heilige mit Nagel im Kopfe (Pantaleon) genannt. Genau diese drei Heiligen finden sich am 1502/03 von Abt Johannes Lüninck gestifteten, spätgotischen Hallenlettner der Romanischen Kirche St.Pantaleon wieder. Diese Kirche steht in Köln nur unweit der ebenfalls Romanischen Kirche "St.Gereon". In dieser wiederum war viele Jahre Graf Thomas von Rieneck als Domherr tätig. Er war der Halbbruder unserer Anna von Schönburg und wurde 1547 als "Domgraf Thomas" im dortigen Stift St.Gereon, dessen Dekan er war, bestattet. Abschließend sei nun noch die Thematik "Reliquie" behandelt. Es kann kein Zufall sein, daß der gemauerte Altarunterbau oder auch Altartisch von Schlunzig und der von Ziegelheim fast identisch sind. Das besondere ist die mittig vorn unter der Altartischplatte eingemauerte Reliquien-Öffnung - Siehe Foto unten rechts. Diese ist in Ziegelheim und Schlunzig an jeweils der selben Stelle vorhanden. Während die Ziegelheimer Reliquien-Öffnung nach dem Fund bei den Renovierungs- und Umbau-Arbeiten wieder verschlossen wurde, ist in Schlunzig nur noch eine leere Öffnung vorhanden. Zur Ziegelheimer Reliquie sagt die "Parochie von Ziegelheim" folgendes aus: "Wie John (1903) in seiner Beschreibung der Kirchenerneuerung erwähnt, fand man unter der steinernen Altartischplatte eine zirka 8 cm ins Geviert gemauerte Öffnung, trocken mit einem Stein versetzt, der an seiner Außenseite ein gemeißeltes Kreuz trägt. Hinter dem Stein stand eine kleine Büchse aus Ton mit verklebtem Holzdeckel, in deren Innerem eine unerkennbare Masse enthalten ist. Sollte - so fragt er - das graue Pulver nicht der Überrest einer Reliquie sein, auf welche die drei Weihekreuze der Altartischplatte hinweisen?"

(Stand: Dezember 2015)

Das Bild oben zeigt die Reliquien-Öffnung im Ziegelheimer Altartisch.



Das Bild links zeigt das Rieneck`sche Wappen am Türbogen des Schlosses Hinterglauchau. Dieses hatte Ernst II. von Schönburg links unterhalb des Schönburgischen Wappens anbringen lassen. Rechts unterhalb des Schönburgischen ist zudem das Wappen der Burggrafen von Leißnig zu sehen. Es ist das Hauswappen von Amabilia, geborene Burgräfin von Leißnig, der Ehefrau des Ernst II. von Schönburg. Nach dem Tod von Ernst II. im Jahre 1534 verheiratete sie sich 1536 mit Graf Philipp von Mansfeld, nahm ihre zwei Töchter mit und überließ ihre drei Söhne einer von Chursachsen dominierten Vormundschaftsregierung.

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